[Update] Weitere Ungereimtheiten bei Domainvergabe

Einen Tag nach dem Start (und faktisch auch dem Abschluss) der Vergabe der ein- und zweistelligen Domains bei DeNIC sind weitere Interessante Umstände bekannt geworden, welche vielleicht auch zu der Erklärung der für vielen (mich eingeschlossen) ungewöhnlich erscheinenden Resultate beitragen.

TEC-MEDIA-SERVICE

Zum einen ist wohl ansatzweise geklärt, wer die TEC-MEDIA-SERVICE ist, und wie sie diesen bahnbrechenden Erfolg erzielen konnten. Immerhin wurden durch sie 28% aller zweistelligen Domains registriert.

Wie andere Blogs berichten, stehen hinter dieser Bezeichnung zwei Bekannte der Domainhandelsszene. Diese haben einen Verbund aus 50-60 DeNIC Registraren gebildet, um unter Benutzung einer durch einen Tec-Media-Service Partner zur Verfügung gestellten Infrastruktur den größten Erfolg zu erzielen. Damit haben sich die entsprechenden Registrare den Aufwand der Entwicklung eines eigenen Systems zur relativ kurzfristig angesetzten Registrierung gespart. Darüber hinaus können bei einem solchen Pool Absprachen darüber stattfinden , welche Domain wann von wem registriert wird. Hierdurch war vermutlich eine sehr viel präzisere Planung des Gesamtverlaufes möglich gewesen.

TEC-MEDIA-SERVICE hat weiterhin scheinbar darauf verzichtet, die am meisten gefragten Domains registrieren zu wollen, und zuerst weniger begehrte Domains registriert. Dies führt dazu, dass sich die meisten Registrare, welche nicht am Pool beteiligt waren, direkt auf die Top-Domains gestürtzt haben, während die zusammengeschlossenen Registrare in aller Ruhe die anderen Domains “wegregistrieren” konnten. Dies würde zumindest die Tatsache erklären, dass die genannte Firma deutlich über 4 Domains pro Minute registrieren konnte – dieses Limit galt nämlich nur für einzelne Registrare.

Wirft man einen Blick auf die entsprechenden Auswertungen, welche hier sehr schön dargestellt sind, so sieht man, dass dieses Konzept durchaus aufgegangen zu sein scheint.

Sedo übrigens, wo die Optionen auf die Domains für teilweise horrende Summen versteigert worden, hatte zwar ebenfalls Abkommen mit einigen DeNIC Registraren, war aber bei weitem nicht so erfolgreich wie Tec-Media-Service. Laut aussage einer Sprecherin konnten lediglich 10-20% der 3000 versteigerten Domains von Sedos Partnern registriert werden, was wohl vor allem längere Zahlendomains gewesen sein dürften.

Der Streit um tv.de

-> Update am Ende des Beitrags beachten!

Eine weitere Unstimmigkeit ist um die Domain tv.de bekannt geworden, bei der über Sedo die Option zur Registrierung  für über 270.000€  über den Tisch ging:

Dem Twitter Account von Netzwelt ist zu entnehmen, dass die Domain an den Registrar key-systems ging. Soweit erst einmal nicht ungewöhnlich. Das Interessante an der Geschichte ist allerdings, dass Netzwelt nach telefonischer Auskunft auf Platz 1 der Vorbestellungen für tv.de gelistet war. Die Domain hätte also an Netzwelt gehen müssen.

Interessanterweise wurde die Domain seitens key-systems, trotz Zustellung einer Unterlassungsaufforderung durch den Anwalt von Netzwelt, an eine Person in Spanien transferiert!

Meine Meinung dazu? Schade dass die Geldgeilheit einiger Provider scheinbar deutlich über telefonisch getroffenen Zusagen steht. Und das, obwohl key-systems bei einer Abgabe der Domain an Netzwelt keineswegs leer ausgegangen wäre: 20.000€ wären für eine erfolgreiche Registrierung gezahlt worden.

Ausblick

Was bringt also die Zukunft? Fest steht, dass wie erwartet mit Geld in der überwiegenden Mehrheit der Fälle mal wieder fast alles möglich war. Dagegen standen die Chancen für Privatpersonen, welche gehofft hatten ihre Initialien als Domainname ergattern zu können, denkbar schlecht.

In den nächsten Tagen werden vermutlich zahlreiche Anwaltskanzleien Ihre Arbeit aufnehmen, um den Versuch zu unternehmen Domains einzuklagen.

Ebenfalls gespannt warten dürfen wir auf das Ergebnis der Verhandlungen rund um die Domains e, f, g, x, y und z.de, welche durch eine einstweilige Verfügung nicht zur Registrierung freigegeben wurden, und daher noch nicht belegt sind.


Update: In den Kommentaren findet sich der Eintrag einer Person, die sich als Alexander Siffrin, CEO von Key-Systems ausgibt. Aufgrund der zum Posten verwendeten IP Adresse, sowie der Tatsache, dass dieser Beitrag in diesem Wortlaut auch in anderen Foren zu finden ist, gehe ich von der Echtheit des Beitrages aus.

In diesem wird die Sichtweise der Key-Systems zu dem angesprochenen Vorfall um tv.de geschildert. Hiernach seien andere Vormerkung vor der Vorregistrierung durch Netzwelt eingegangen, und die telefonische Zusage habe so nicht stattgefunden. Weiterhin habe Netzwelt das Prinzip der Vorbestellungen nicht verstanden.

tv.de befindet sich laut DeNIC Eintrag übrigens weiterhin im Eigentum einer Person in Spanien.

Wie ist Eure Meinung zu dem Vorfall?

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Autor:
Datum: Sunday, 25. October 2009 2:04
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Netzwelt

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9 Kommentare

  1. 1

    Registrierung der neu eingeführten .de Domains
    Key-Systems bietet seit der Einführung von .info und .biz Domainnamen im Jahr 2001 Vorregistrierungen für Domainnamen mit hoher Erfolgsquote an. Auch bei der Übermittlung von Vorbestellungen von ein- und zweistelligen .de-Domainnamen sowie bei der Registrierung von Zifferndomains mit der Endung .de hat sich die Technik von Key-Systems bewährt und wir konnten für unsere Kunden zahlreiche Domainnamen mit überdurchschnittlichem Erfolg registrieren.
    Die Vergabe von Domainnamen erfolgte dabei strikt nach dem Prinzip „first come-first served“, das auch der Zuteilung durch DENIC zugrunde lag. Das bedeutet, dass die bei uns als erstes eingegangene Vorbestellung als erstes an DENIC übermittelt wurde und eine Chance auf Zuteilung hatte.
    Wie in unseren Newslettern dargestellt, bleiben registrierte .de-Domains aus dem jüngsten Launch bis zum Nachweis der Zahlung in unserem Besitz, um uns vor Zahlungsausfällen zu schützen. Da der zur Registrierung verwendete Placeholder nicht völlig den DENIC-Regularien entsprach, haben wir für unbezahlte Domains vorübergehend bis zur Übertragung an die Kunden einen Trustee-Eintrag verwendet.
    Die glücklichen Kunden wurden bereits angeschrieben, und sollten bald als Inhaber Ihrer vorbestellten Domains eingetragen werden können.

    Dieser transparente Prozess fand auch im Fall der Domain tv.de Anwendung, die nach erfolgreicher Registrierung und Rücksprache mit dem Kunden an diesen übertragen wurde.
    Wir verstehen, dass Kunden, die im Rahmen des “first come-first served”-Prinzips keine Zuteilung erhalten haben, da sie nicht an erster Stelle standen, enttäuscht sind. Allerdings können wir nicht nachvollziehen mit welch verzweifelter Vehemenz, unsachlicher Aufregung und Unverständnis ein Kunde auf das Scheitern seiner Vorbestellung reagiert. Unsere protokollierten Auftragseingänge zu der .de-Vergabe belegen klar, dass der Betreffende die Vormerkung erst bei uns abgab, nachdem bereits mehrere andere sich für die Domain vorregistriert hatten.
    Die Aussage, er habe gehört, er stünde an Listenplatz 1 ist falsch und für Key-Systems nicht nachvollziehbar. Diese Aussage wurde von Key-Systems nicht getätigt.
    Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Kunde das Prinzip der mehrfachen Vorbestellungen nicht verstanden hatte, und davon ausging, als einziger eine gültige Vorbestellung abgegeben zu haben. Dies ist nicht der Fall.

    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Siffrin
    CEO Key-Systems GmbH

  2. 2

    Hmm, Du schreibst, mit Geld wäre fast alles möglich gewesen. Gerade das ist imho dieses Mal ja nicht der Fall gewesen, zumindest noch nicht.

    Soweit ich das beurteilen konnte wurden letzte Woche viele tausend Euro bezahlt, nur um am Freitag bei einem Registrar einen guten Platz zu bekommen. In vielen Fällen hat sich das Investment darauf hin in Luft aufgelöst.

    TEC-MEDIA dagegen hat (mit welchen Methoden auch immer) fast alle Beteiligten düpiert und sich auch im Nachgang sehr clever verhalten. Zu allen(!) TEC-Domains wurde übers Wochenende eine Firma in Clearwater, Florida als Inhaber eingetragen, z.B. “BJ Oral Diseases Incorporated” für bj.de. Dadurch wird es erst einmal schwierig bis unmöglich diese Domains einzuklagen.

    Meiner Ansicht nach war da mehr Grips als Geld im Spiel.

    Der große Verlierer scheint tatsächlich Sedo zu sein. Du schreibst, eine Sprecherin hätte da inzwischen Aussagen getroffen, gibt es da eine Quelle?

    lg
    LeChiffre

  3. 3

    Auch Interessant:
    “Folgende Fakten zur Tv.de sind bisher bekannt:

    Der Geschäftsführer von Key Systems A.S. hat eine Schwester namen E.S.
    E.S. erwähnt in Ihrer Dissertation einen gewissen H.K. der ihr lt. dem geschriebenen dort sehr nahe steht. Dieser H.K. ist der neue Inhaber der TV.de mit einer Adresse im spanischen Torremolinos.
    Zufälligerweise ist diese Adresse auch gleichzeitig Wohnitz eines gewissen H.S. der sehr wahrscheinlich der Vater von A.S. ist und gleichzeitig Gesellschafter von Key Systems”

  4. 4

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Julian Fischer, leepfrog erwähnt. leepfrog sagte: @netzwelt: Stellungnahme zum tv.de Vorfall von Key-Systems CEO – gibts hier etwas Neues von eurer Seite? http://tinyurl.com/yjcrp79 [...]

  5. 5

    @LeChiffre:

    Dein Einwand ist sicherlich richtig. Gerade nachdem man heute die Clearwater Geschichte liest, das war ja zu dem Zeitpunkt des Blogeintrags noch nicht bekannt. Personen, welche in die Sedo Auktionen investiert haben, sind vermutlich eher leer ausgegangen.
    Allerdings muss man es auch folgendermaßen betrachten: Tec-Media hat sicherlich nicht “umsonst” (im wahrsten Sinne des Wortes) die große Anzahl an Registraren auf seine Seite bringen können. Hier wird eine Menge Geld geflossen sein, welche sich leider im Endeffekt für die entsprechende Firma rechnen wird.

    In sofern war wohl eine Menge Geld + das “richtige” Konzept ausschlaggebend für den Erfolg.

    Bzgl der Quelle zu Sedo: http://www.heise.de/netze/meldung/De-Kurzdomains-sehr-ungleich-verteilt-838346.html

    [...]aber auf eine so hohe Zahl habe es Sedo bei weitem nicht gebracht, sagte eine Sprecherin. Zwischen 10 bis 20 Prozent der 3000 Domains, für die man vorab Höchstgebote erhalten habe, habe man mit den Partnern realisieren können.[...]

  6. 6

    Was die TEC-Jungs nun genau vorhaben und wie sie mit Registrarpartnern verblieben sind bleibt wohl vorerst ein Geheimnis.

    Spannend daran ist die Frage, wie der Verkauf dieser Domains vonstatten gehen soll. Eine erneute Nutzung von Sedo stelle ich mir schwierig vor (auch wenn die Bieter letzte Woche kein Geld, sondern nur Zeit und Nerven verloren haben).

    Auch glaube ich nicht die Zeit, die TEC mit dem “Florida-Manöver” gewonnen haben, ewig währt. Ernsthafte Interessenten könnten irgendwann auf die Idee kommen, doch den Rechtsweg zu beschreiten.

    LeChiffre

  7. 7

    Sedo hat ja zugesagt, bei den Domains, welche sie nicht registrieren konnten, im Auftrag der Höchstbietenden Verhandlungen mit den Domaininhabern anzutreten.
    Sprich: Sedo wird den Inhabern nun einfach die Summen für die Domain bieten, welche dem jeweiligen Höchstgebot entsprechen… In sofern müssen sich wohl die Inhaber nicht mal mehr darum bemühen.

    Ich denke die TEC-Menschen spekulieren einfach darauf, dass sie die Domains los sind, bevor angefangen wird großartig einzuklagen..

  8. 8

    @Thinktank

    Das kann ich nicht bestätigen. Wir waren bei einer (TEC-)Domain Höchstbietender und der Status bei Sedo ist “Domain steht nicht zum Verkauf”.

    Ich glaube zwar auch nicht, dass TEC ewig auf den Dingern sitzen bleibt, aber den Sedo-Bietern werden die Domains derzeit nicht angeboten.

    LeChiffre

  9. 9

    Ich glaube du hast mich falsch verstanden :)
    Sedo hat nach Ende der Auktionen zugesagt, bei fehlgeschlagenen Registrierungen mit den Inhabern der Domains zu verhandeln.
    Hier kann Sedo natürlich auch nur ein “Sorry, verkaufen wir nicht” zurückbekommen (vielleicht war das Höchstgebot nicht genug für den Inhaber).

    Ich meinte also mit meiner Aussage, dass TEC zumindest die Möglichkeit hätte, jeder ihrer Domains zum Preis welcher bei der jeweiligen Auktion erziehlt wurde, loszuwerden. Ob sie das machen steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Grüße

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