Tod des “SchülerVZ Crawlers” Matthias Lang
Wie ich gestern bereits angekündigt habe, möchte ich heute noch einige Gedanken zu dem Thema bloggen.
Auch wenn ich Matthias nicht gekannt habe, möchte ich zuerst einmal allen Betroffenen mein Beileid aussprechen!
Die Reaktionen im Internet
Ich war fassunglos als ich viele Kommentare lesen musste, welche in die Richtung “Da habe ich kein Mitleid“, “Ist auch besser so” oder “Er hats nicht anders verdient“ gingen .
Hallo? Egal wie undurchdacht oder dumm seine Aktionen gewesen sein mögen, egal ob er psychisch labil war, es ist (bzw. tragischerweise “war”) immer noch ein Menschenleben! Er hatte Eltern, Freunde und Bekannte denen er sicherlich viel bedeutet hat, welche jetzt trauern oder leiden müssen. Hier sollte man Respekt zeigen, alles andere ist in höchstem grade unreif.
Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass niemand der einen solchen Kommentaren losgelassen hat, den Arsch dazu in der Hose hätten, auf die trauernde Familie zuzugehen und ihr etwas derartiges ins Gesicht zu sagen!
Aber so lang man pseudoanonym in irgendwelchen Foren oder Kommentaren solche Dinge schreiben kann, ist das in Ordnung oder wie? Ich finde das eine Frechheit.
Die Person
Als damals die Sache mit dem *VZ Crawler bekannt wurde, hatte ich in irgendwelchen Kommentaren einen Link zu seinem Blog gefunden, in welchem er die Entwicklung des Crawlers bereits Ende Mai 2009 beschreibt. Die entsprechende Seite bzw. das komplette Blog sind schon seit seiner Verhaftung nicht mehr erreichbar, allerdings kann sie weiterhin im Google Cache angesehen werden. Beim Lesen des Eintrags entsteht der Eindruck, als sei der Crawler aus Langweile bzw. der Suche nach einer technischen Herausforderung entstanden, nicht um später mit den Daten Schindluder treiben zu wollen. Interessant ist auch, dass zwischen der Entwicklung des Crawlers (welcher übrigens nicht nur für SchülerVZ, sondern für alle *VZ-Seiten geeignet war) und der Veröffentlichung des Ganzen über fünf Monate liegen.
In ebendiesem Blog war auch ein Über den Autor Eintrag mit einigen persönlichen Informationen einsehbar. Demnach war Matthias freiberuflich als Webentwickler und Serveradministrator tätig.
Nach weiterer Recherche bin ich auf einen Eintrag von Matthias im Knastblog gestoßen, in welchem er über 15 Tage in Untersuchungshaft bloggt, in welcher er sich scheinbar im Jahre 2008 wegen einem Rauschgiftdelikt befand. Bei interesse kann sich jeder den Beitrag selbst durchlesen, ich möchte einfach nur mal ein paar Zeilen zitieren:
Allerdings möchte ich allen die diesen Text gelesen haben folgendes sagen: Es gibt viele Horrorstorys über den Knast. Keine einzige die ich gehört habe, ist wahr. Die Leute mit denen ich auf dem Gang war, waren alle recht gechillt und man konnte wirklich gut mit ihnen reden. Ich hab keinen einzigen erlebt in den zwei Wochen, der irgendwie aggressiv oder whatever war.
Ihm war also die Atmosphäre, in welcher er sich bis gestern befand, offenbar schon von früher bekannt. Es fällt mir persönlich daher schwer, davon auszugehen, dass er mit der Situation U-Haft so überfordert war, dass er sich für den Freitod entschieden hat. Da haben vermutlich noch ganz andere Dinge eine Rolle gespielt, welche dann einfach nur zusammengekommen sind.
Die Erpressung und Festnahme
Die Verhaftung am 19.10 in den Geschäftsräumen des SchülerVZ Betreibers in Berlin fand nach einem “Erpressungsversuch” statt. Zumindest ist dies die Schilderung der SchülerVZ Betreiber. Hier braucht man nicht rumzudiskutieren, sollte er sich wirklich da hin gesetzt haben um Geld zu fordern, dann wäre das sehr undurchdacht und leichtsinnig gewesen. Mit dem Tod des Betroffenen ist es nun leider nicht mehr möglich eine Schilderung der Situation von seinem Standpunkt aus zu erhalten.
Das ist es natürlich “praktisch” für die *VZ Betreiber. Es können nun keine unangenehme Tatsachen mehr über die Abläufe der Gespräche in Berlin, oder eventuelle Lücken im VZ-System ans Tageslicht gelangen.
Bevor ich hier falsch verstanden werde – ich möchte keinesfalls irgendwelche Verschwörungstheorien über den Todesfall aufstellen oder stützen, es ist nur einfach eine Tatsache, dass dieser Umstand den VZ-Betreibern wohl eher gelegen kommt. Den genauen Hergang bzw. den Umstand seines Todes soll eine Untersuchungskommission klären.
Der Selbstmord
Bis jetzt ist lediglich bekannt, dass Matthias tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Über die Umstände wurden noch keine Einzelheiten veröffentlich. Über den Grund für seine Entscheidung kann nur spekuliert werden, allerdings halte ich die Annahme, dass ihn die Untersuchungshaft psychisch überfordert hat für falsch, da er mit dieser Situation bereits vertraut war.
Es wird vermutlich eher so gewesen zu sein, dass er sich der (finanziellen) Übermacht sowie der Justizmaschinerie der *VZ-Betreiber gegenübergestellt gesehen hat. Nach den bekannten Geschichten über Blogger, welche für einfache Einträge bis in den Ruin abgemahnt wurden, sicherlich bei solchen Vorwürfen keine angenehme Situation. Vielleicht haben auch persönliche Gründe eine Rolle gespielt.
Genau wird man dies nie erfahren, allerdings möchte ich noch einmal verdeutlichen, dass es ein Mensch war wie du und ich. Natürlich waren die Sachen die er getan hat falsch und auch leichtsinnig, nur wer kann von sich schon sagen, dass er immer nur richtig und rational handelt?
Viele von den “selbst Schuld”-Schreiern werden bestimmt schon ähnlich unsinnige Dinge getan haben, welche einfach nur glimpflich ausgegangen sind.
Es sollte sich also jeder mal selbst an die Nase fassen und seine Kommentare zu diesem Thema, auch im Hinblick auf die direkt betroffenen, überdenken.
Update 1: Mittlerweile sind weitere Details zu den Todesumständen aufgetaucht. Wie Spiegel Online berichtet, habe sich Matthias das Leben genommen, indem er sich mit Streifen seines Bettlakens am Fensterkreuz erhängt hat.
Sunday, 1. November 2009 20:04
Das Gegenteil ist der Fall. Matthias L. wusste, dass sein Ansatz nicht so exclusiv war, wie er vor dem 16.10. vielleicht noch glaubte. Möglichweise sah er schlicht seine Felle schwimmen.
Sorry, aber das ist doch Unsinn. Matthias L. war schlicht zu spät dran (um noch Forderungen zu stellen).
VZnet stand in Kontakt mit einem Whitehat, der einen ähnlichen Ansatz veröffentlicht und dokumentiert hatte (u.a. bei netzpolitik.org). Eine weitere Lücke, die Matthias L. möglicherweise exclusiv zu haben glaubte, wurde ebenfalls geschlossen. Der “Marktwert” seiner Scripte war somit im Keller.
Das wusste Matthias L., entsprechend missmutig kommentiert er die Veröffentlichung am 16.10. (also bevor er nach Berlin fuhr) in seinem Blog. Gleichwohl hat er ein Vermittlungsangebot abgelehnt, er wollte lieber selber “verhandeln”.
Dass es dabei nicht um eine Tüte Gummibärchen als Trostpreis gehen würde, ist zwar Spekulation, aber eine nahe liegende.
Abgesehen davon bleibt die Geschichte natürlich tragisch. Nur zum Märtyrer, da taugt Matthias L. nun wirklich nicht.
Sunday, 1. November 2009 20:49
Ich glaube du hast mich etwas missverstanden. Natürlich war seine Idee für den Crawler nicht exklusiv, sooo abwegig war der Ansatz ja gar nicht mal.
Dennoch ist es doch ein Problem, um welches sich VZnet jetzt viel weniger Gedanken als zuvor machen muss. Beispielsweise hätte sich herausstellen können, dass es kein Erpressungsversuch war (nur als Beispiel!), oder ähnlich unangenehme Dinge hätten im Verlaufe einer Verhandlung ans Tageslicht kommen können. Dies ist jetzt nicht mehr der Fall.
Ich habe ebenfalls nicht versucht ihn Märtyrer zu skizzieren. Das mit der von mir erwähnten Übermacht ist darauf bezogen, dass er sich vermutlich so gefühlt haben wird.
Ein Märtyrer stirbt um seine Ideale und Überzeugungen aufrechtzuerhalten. Dies war in diesem Fall nicht so. Es wird wohl einfach überfordert mit der Situation gewesen sein. Natürlich entzieht man sich durch einem Suizid auch immer in gewisser Weise einer Verantwortung.
Monday, 2. November 2009 0:06
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Monday, 2. November 2009 0:46
sein tod ist tragisch und voellig unnoetig. mein beileid gilt seinen angehoerigen.
Monday, 2. November 2009 17:06
@admin:
Nein, wieso? Durch die Tatsache, dass die Art der Lücke am 16.10. einer breiten Öffentlichkeit bekannt war, konnte man sich bei VZnet sicher sein, dass in den nächsten Tagen und Wochen wieder zahlreiche PHP-Frickler und Scriptkiddies mit dem Servern spielen würden.
Matthias L. hingegen fuhr also mit vergleichsweise leeren Händen nach Berlin, Sein Ansatz war bekannt, ein zweites Loch bereits gestopft (denkbar wäre noch das Wissen um angeblich bestehende XSS-Lücken oder eine derzeit noch existierende Lücke in einem Subsystem. Was letztere betrifft war VZnet aber auch bereits informiert). Und pokerte. Offenbar hoch.
Wie erwähnt, hat er ja Markus’ Vermittlungsangebot ablehnt und wollte selber “verhandeln”. Er schien in seiner gnadenlosen Selbstüberschätzung also – bis zu Verhaftung – zu glauben, sein Ding durchziehen zu können.
Natürlich hätte sich in einem Verfahren auch seine Unschuld herausstellen können. Dafür spricht angesichts der mir vorliegenden Informationen, seiner Vorgeschichte und der Nichtentlassung aus der U-Haft allerdings nichts.
Wednesday, 18. November 2009 19:36
Mir sind im Fall Matthias Lang ganz andere Geschichten zu Ohren gekommen. In denen läuft die ganze schreckliche Geschichte mehr oder weniger umgekehrt ab: Er wurde in eine flle gelockt und daraufhin völlig von der Außenwelt isoliert, keinerlei Kontakt wurde ihm gestattet. Denn, so wie ich die Geschichte kenne, hat er ledigklich ein Sicherheitsloch entdeckt, worüber er die Betreiber aufklären wollte. Als er das öffentlich machte, wurde es denen zu viel und sie luden ihn zu sich ein. Leider war das Ziel die U-Haft,und nicht – wie angekündigt – ein Hotel.
Leider weiß ich auch keine Details, aber auf jeden Fall stinkt die Sache bis zum Himmel. Das wird ein Nachspiel haben für die Betreiber von *VZ.
Friday, 7. May 2010 13:18
Ich Sag nur mein Beileid Für den armen Kerl
Und ein
R.I.P ;<
Friday, 7. May 2010 13:28
Und er hat eig. Nix illegales gemacht er hätte auch Sich ein Blatt Papier und ein Stieft nehmen Können und Sich die daten aufschreiben können …
Und als er Zu Vz gefahren ist und sie angeblich erpressen wollte könnte ja auch sein das er zu Vz gefrahren ist um den die Sicherheits lucken zu zeigen und den rest Die zeitungen haben ihn als hacker dagestellt was er eig. garnicht war …